Mi. Jun 19th, 2024


Pfälzer Wald, Burgen, Weinberge und ein Sessellift

Ein verlängertes Wochenende liegt vor uns. Himmelfahrt! Und danach ein Brückentag. Klaus- Martin hat den Mittwoch noch frei genommen, so dass fünf freie Tage vor uns liegen. Nachdem das Wetter in den Alpen noch nicht so berauschend ist, entscheiden wir uns für den „Pfälzer Weinsteig“.

Pfälzer Weinsteig 1.Tag

Tourentelegramm: Von Bad Dürkheim nach Deidesheim (mit Ruine Limburg) 19 km – 5 h – ca. 500 hm

Ich werde am Morgen wach mit einem Lied im Kopf„ Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Dieses Lied haben wir gerade im Chor angefangen, um es in einem der nächsten Gottesdienste zu singen. Es ist ein Gebet und die ersten Worte „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ klingen in mir. Ich nehme dieses Motto mit auf die Tour! Was ist für mich der weite Raum? Innerlich mache ich eine Geste aus dem Yoga „unser Herz öffnen“, ich möchte Gedanken zum weiten Raum und diese Geste mit in die Tour nehmen.

Wir starten dann um die Mittagszeit unsere Wanderung in Bad Dürkheim. Eigentlich geht es dann gleich Richtung Wachenheim, aber wir entscheiden uns, einen kleinen Bogen von circa 5 km zu laufen, um erst noch die Klosterruine Limburg zu besuchen. Der Besuch lohnt sich: Die alten Mauern, der gemütliche Kloster Biergarten, gleich mal eine erste Einkehr, eine gute Einstimmung auf die Gemütlichkeit, die uns in der Pfalz erwartet.

Wir wandern dann von der Ruine Limburg über Steinbach aus Bad Dürkheim heraus und dann geht’s fast durchgängig im Wald, in wunderschönen großen Bögen immer entlang der Hügel, die den Pfälzer Weinsteig ausmachen. Der Wald ist nicht dunkel und bedrückend, sondern hat eine Leichtigkeit und ist Licht durchflutet und wirkt in vielen Stücken mediterran. Manchmal denke ich: Jetzt gehe ich noch um die nächste Ecke und dann kommt das Meer. Immer wieder Pinien, viele Kastanienbäume, Eichen, ein wunderbarer Duft, der Boden weich unter meinen Füßen, sehr sandig. Ein sehr angenehmes Laufen und dann öffnet sich der Wald zum Tal hin: ein wunderschöner Ausblick tut sich auf!


Und da ist es wieder das „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ der weite Raum direkt vor mir – die Weite, ein Naturgeschenk. Auf der Ruine Wachtenburg gibt es noch mal eine kleine Einkehr und am frühen Abend sind wir dann in Deidesheim, unserem ersten Etappenziel.

Michaelskapelle

Ein herrlicher Wandertag geht zu Ende bei angenehmen Temperaturen um die 20°, viel Sonnenschein und schon ein guter Beginn die Seele baumeln zu lassen. Aber die knapp 20 km waren auch anstrengend, erster Tag mit Trekkingrucksack in diesem Jahr, da tun die Schultern und die Beine schon ein wenig weh am Ende des Tages. Doch nach dem Duschen und einem gemütlichen Abendessen in einer kleinen Weinstube, da erwachen die Lebensgeister wieder.

Ich glaube, mir wird die Pfalz gefallen. Das steht heute schon mal fest! Dann mache ich doch promt noch mal meinen Herzöffner aus dem Yoga und ein Lächeln huscht über mein Gesicht!

Pfälzer Weinsteig 2.Tag

Tourentelegramm: Von Deidesheim nach Neustadt 20 km – 6 h – 600 hm

Als wir gestern Abend gegen 19:00 Uhr an unserer Unterkunft „Gästehaus Hebinger“ ankamen und uns auf den Weg zu unserem Zimmer machten, kamen wir an der Tür zum Frühstücksraum vorbei und ich las: Frühstück von 8:30 Uhr bis 10:00 Uhr. Auweia, dachte ich, wo ich doch so eine Frühaufsteherin bin und gerne meine Tour spätestens gegen 8:00 Uhr beginne, wie soll ich das aushalten 🙁 ? 8:30 Uhr erst Frühstück . Aber dann sagte ich mir: „Okay, du bist in der Pfalz, und du bist nicht in den Alpen auf einer Berghütte mit Frühstückszeit von 6-8 Uhr und es muss früh nicht so früh losgehen und es sind auch nicht alle sind schon um 6:00 Uhr wach. Nein, du kannst jetzt mal ausschlafen und machst alles ganz gemütlich“.

So mein Vorhaben, hat natürlich nicht geklappt. Um 6:00 Uhr läuteten die Glocken und ich war wach und in mir sagte es: „Ja, der Tag kann kommen, er kann beginnen“. Mühsam hielt ich mich dann noch bis 6:30 Uhr im Bett, doch dann startete ich zu meinem Morgen Spaziergang mit Rosa. Ich wendete dem Pfälzer Weinsteig den Rücken zu und machte mich Richtung Ebene auf und kam an wunderschönen Gärten und an Weinbergen vorbei und dann zu einem Platz, der vermutlich immer wieder für Gottesdienste im Grünen genutzt wird und so hatte ich Zeit für eine kleine Morgenandacht und schon sang es auch wieder in mir „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ ich genoss es einfach, ein wenig da zu sitzen, auf das Kreuz zu schauen, dem Vogelgezwitscher zu lauschen und den Tag kommen zu lassen.

Was für ein Geschenk, in Gottes schöner Natur unterwegs zu sein, was für ein Geschenk, mit Gesundheit, Freude und Kraft wandern zu können, was für ein Geschenk mit offenen Augen durch die Natur zu gehen und dafür Kraft Freude und Energie zu tanken, ein schöner Morgen: Heute ist Himmelfahrt!

„Herr, wie sind deine Werke so groß und so viel! Du hast sie alle Weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güte!“ Die Bibel

Wir machten dann, mit Wanderstart um 10:00 Uhr (oh nein, ist das spät ), unsere zweite Etappe:

Sie führte erst sehr schön durch Weinberge, immer am Hang entlang zwischen Ebene und Pfälzer Wald und dann in einem Aufstieg zum „Weinbiet“, einem schönen Aussichtspunkt und Höhengaststätte des Pfälzer Weinvereins.

Wegmarkierung „Pfälzer Weinsteig“

Von dort führte der Weg durch einen besonders schönen Abschnitt des Pfälzer Weinsteigs: „Bergstein“ … ein geologisch interessantes Gebiet, mit vielen Steinen, die schollenartig geschichtet sind, und einem sehr besonderen Wald, mit Traubentrockeneichen.

Durch diesen Wald mit diesen Steinen zu laufen, war für mich das Highlight des Tages. Abends gab es dann noch einen krönenden Abschluss in einer gemütlichen kleinen Gaststätte mit Biergarten „Kunigunde“. Sehr zu empfehlen!

„Kunigunde“

Pfälzer Weinsteig 3. Tag

Tourentelegramm: Von Neustadt nach St. Martin 20 km – 7 h – 780 hm

Auch der dritte Tag begrüßt uns mit Sonne und angenehmen Temperaturen. Nach einem leckeren Frühstück geht es erst über Treppen durch Neustadt, bis an den Ortsrand, durch die Treppen gewinnen wir schnell an Höhe. Laufen dann durch herrlichen Kastanienwald, erreichen den Nollenkopf und haben von dort auch wieder eine herrliche Aussicht.

Hambacher Schloss

Weiter geht’s zum Hambacher Bergstein, von dort ein Blick auf das Hambacher Schloss, welches wir dann auch erwandern und uns anschauen. An diesem Tag herrscht großes Polizei Aufgebot, denn es steht ein Staatsbesuch an. Aber vor dem Hambacher Schloss erreichen wir noch das Sühnekreuz:


Die letzte Höhe, die wir erreichen, ist Kalmit, wo es auch noch mal eine Einkehr gibt.

Ich merke, dass ich langsam in einen Wanderrhythmus finde. Das Laufen wird leichter, die Gedanken freier, über weite Strecken wandern wir mit angenehmem Schweigen. Auf diesen Punkt freue ich mich immer sehr beim mehrtägigen Wandern, dass ich innerlich zur Ruhe komme, dass die Gedanken zur Ruhe kommen. Manchmal sogar gar nichts mehr denken. Bei dieser Tour ist es nicht ganz so wie in den Alpen, weil sie uns immer wieder zurück in die Zivilisation führt. Aber auch das hat seinen Charme, wenn man abends eine schöne Dusche hat, ein gemütliches Zimmer, ein schönes Frühstücksbuffet. Und die Fröhlichkeit und Gastfreundschaft der Pfälzer erfreut immer wieder.

Rosa hat sich auch an den Wanderrhythmus gewöhnt. Am ersten Tag fiel es ihr noch sehr schwer den Hunderucksack zu tragen, aber nun ist sie mit viel Freude und Leichtigkeit dabei.

„zufriedene Rosa“

Das Lied der ersten Tage hat sich wie ein Wind davon gemacht. Was bleibt, ist die Freude an Aussicht und Weite, das angesteckt sein durch dieses Lied. Diese Weite immer wieder zu suchen. Und zu finden!

Der Ort St. Martin begrüßt uns mit seinen hübschen kleinen Gassen, den vielen Einkehrmöglichkeiten. Hier eine gemütliche Weinlaube mit Sitzmöglichkeiten, dort ein schickes

Restaurant, die Menschen trinken einen Schoppen (Weinschorle in der Pfalz) und genießen das leckere Essen und wir tun es auch!

Pfälzer Weinsteig 4. Tag

Tourentelegramm: Von St. Martin nach Burrweiler 17 km – 5 h – 700 hm

Manchmal muss ein Vorhaben einfach warten, wenn etwas anderes wichtiges ansteht. An unserem vierten Tag „Pfälzer Weinsteig“ findet eine Oldtimer Rallye in der Nähe von St. Martin statt, und da mein Mann ein begeisterter Oldtimer Freak ist, können wir uns den Start der Fahrzeuge nicht entgehen lassen und unser Wanderstart verschiebt sich um ca. 2 Stunden. Aber es lohnt sich, denn ca. 300 alte Fahrzeuge nehmen an der „Weinralley“ teil. Natürlich schauen wir nicht alle startenden Oldtimer an, aber eine Zeit lang beobachten wir so manches knatternde Gefährt, der älteste Wagen vermutlich aus dem Jahr 1908, ein Ford T-Modell.

Am späten Vormittag geht die Wanderung dann los und wir müssen alles ein wenig raffen und uns ranhalten, damit wir unsere Tagesetappe noch schaffen. Von St. Martin kommen wir zuerst am Bellachini Brunnen vorbei, dann zum Friedensdenkmal, mit einer wunderschönen Aussicht, man kann sich gar nicht satt sehen.

Wir kommen an der Rietburgbahn vorbei, die zur Rietburg hoch führt. Ein Sessellift in der Pfalz, das ist schon etwas besonderes. Das sieht man nicht alle Tage. Darüber staunt auch unsere Rosa:

Die Villa Ludwigshöhe, die sicher auch einen Besuch wert ist, ist gerade eine große Baustelle und nicht zu betreten. Da heißt es einfach außen rum gehen und wieder die Aussicht genießen. Mich fasziniert ein schöner Feigenbaum und im Hintergrund die Weinberge. Wie immer wieder wird deutlich, dass diese Gegend in Deutschland eine sehr schöne warme Gegend ist und hier so manches wächst, was in anderen Regionen dem Winterfrost nicht standhält.

Lustig ist dann der folgende Weg mit Namen „Pussier Päddel“, am Wegesrand stehen immer wieder Holzfiguren, und ich muss an meine Kinder denken, die jetzt schon erwachsen sind, aber früher sicher mit großer Begeisterung diesen Weg gelaufen wären, immer von einer Figur zur nächsten. Und ich mache es ihnen gleich und bin erstaunt über alles, was ich entdecke. So einen Weg ist man dann schnell gelaufen!

Doch der Highlights nicht genug: Zeit der Stille und Einkehr finden wir in einer Mariengrotte und später in der Sankt Anna Kapelle, sehr berührende Orte, die zur Ruhe und Besinnung einladen.

Was für ein Tag, mit so vielen schönen Eindrücken und Erlebnissen. Das Wetter hat es auch an diesem Tag gut mit uns gemeint, wenn auch ein paar Wolken aufziehen, aber es bleibt trocken. Am frühen Abend erreichen wir das Winzerdorf Burrweiler und sind wieder fasziniert über die schönen Gassen und die vielen Weingüter, Weinlauben und schönen Innenhöfe. Und immer wieder Rosen, die uns entgegen leuchten und duften! Wir baden unsere Sinne in Schönheit! Und sind still berührt!

Pfälzer Weinsteig 5. Tag

Tourentelegramm: Gleisweiler – Landauer Hütte – Trifelsblickhütte 14 km – 4 h – 550 hm RUNDTOUR

Da wir am Tag 5 unserer wunderbaren Wandertour auch noch die Heimfahrt vor uns haben, entscheiden wir uns für eine Rundtour mit Start in Gleisweiler. Eine erste Sehenswürdigkeit auf dieser Runde ist die historische Walddusche aus Sandstein Quadern. Ab dem Jahr 1848 war sie externer Teil einer Klinik in Gleisweiler und für medizinische Kaltwasseranwendungen gedacht. Und das bis heute! Man kann sich tatsächlich in einer Umkleide umziehen und dann den kühlen und erfrischenden Wasserstrahl genießen.

„Walddusche“

Schon bald haben wir die Landauer Hütte erreicht, doch für eine Einkehr ist es noch zu früh, weiter geht’s bis zur Waldgaststätte „Drei Buchen“ und in einem schönen großen Bogen immer im Wald bis zur Trifelsblickhütte. Dort lassen wir uns den selbst gebackenen Kuchen schmecken und genießen die Aussicht auf die Burg Trifels. Ein bisschen wehmütig treten wir den Abstieg an, wohl wissend, dass er uns wieder in den Alltag führt.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, mit diesem Gebet habe ich die Wanderung begonnen und mit diesem Gebet beende ich sie auch und staune über Raum und Weite, die ich immer wieder erleben darf. Fünf herrliche Wandertage liegen hinter uns, bei angenehmen Frühsommer Temperaturen, mit wunderschönen Unterkünften, leckeren Frühstücken und Abendessen und immer wieder auch einer erfrischenden Einkehr zwischendurch.

In der Pfalz muss keiner hungern, da wird man gut versorgt. Und abends dann einen Schoppen mal weiß oder rosé. Sehr einladend! Pfalz, wir kommen wieder!

Wanderführer zur Tour:

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