Mi. Jun 19th, 2024

GR10 – Etappe 37

Tourentelegramm 37. Etappe: Vom Refuge Batère nach La Fargassa, 22,9 km, 6:30 h, 800m⬆️, 1650m ⬇️

Ich startete meine 37. Etappe am Refuge Batère bei starkem Wind und leichtem Nieselregen. Es hatte stark abgekühlt und alles wurde erst mal schön warm eingepackt. Es ging schon bald bergab einen schmalen Pfad, mal durch den Wald, mal durch hohes Gras mit niedrigem Buschwerk. Später war der Weg wenig attraktiv. Es schien ursprünglich altes Minengelände zu sein, und es wirkte alles ein wenig wie auf einer Baustelle. Der Weg war auch recht breit und führte weiter bergab. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und ab und zu zeigte sich schon ein wenig die Sonne. Aber immer noch starker Wind. 

Als ich so auf dem breiten Weg vom hin trottete, musste ich an einen Vers denken, der mich in den vergangenen Tagen erreicht hatte: „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. P.S. Buck“ Dieser Text ging mir nach und ich kann es wirklich bestätigen, dass das für mich unglaublich faszinierend ist, mit dieser Einfachheit hier durch den Tag zu gehen und auf das Wesentliche reduziert zu sein. Das Leben besteht aus wandern, essen und schlafen. Die Unterkünfte sind einfach, das Essen ist einfach, ich habe wenige Kleidungsstücke. Ich freue mich an meiner kleinen Seife und wenn dann etwas Besonderes kommt, was im Alltag vielleicht ganz normal ist, ist es hier ein riesengroßes Geschenk, wie zum Beispiel ein kühles Getränk am Ende einer Wanderung, oder ein Obst, nach einigen Tagen ohne etwas Frischem. Echt was besonderes ist es, wenn man sich nach einer Woche ein Hotel gönnt oder gönnen muss, weil es nichts anderes gibt, und dann ein Frotteehandtuch im Bad vorfindet! Was für ein Genuss, dieses Frotteehandtuch! Und zu Hause ist das ganz normal! Ich glaube, ich werde durch  so eine Tour sehr, sehr aufmerksam und dankbar und schärfe meine Sinne! Die Zeit hier gibt mir Gelegenheit darüber nachzudenken, was ich im Leben wirklich brauche und was nicht. Das ist doch echt genial! 

Mit diesen Gedanken trottete ich vor mich hin, auf einer breiten, sandigen Piste! Später gab es dann erste schöne Ausblicke und der Weg wurde schmaler und von kleinen Pinien und Bäumen mit Flechten gesäumt.

Schon bald war ich in Arles-sur-Tech. Ich setzte mich nur kurz für eine Erfrischung in eine Bar und dann ging es weiter!

700 Höhenmeter lagen vor mir und es ging felsig bergauf. Der Weg war wunderschön, eingerahmt von niedrigem Buschwerk und vereinzelten Bäumen oft auch wieder viele Flechten an den Bäumen. Das sah sehr schön aus. Insgesamt alles schon sehr mediterran.

Durch die niedrigeren Temperaturen ließ sich der Aufstieg wesentlich leichter bewältigen als an den sehr heißen Tagen. Das war schon ein sehr großer Unterschied. Aber es stellte sich auch Müdigkeit ein, denn ich hatte in der Nacht phasenweise nicht so gut geschlafen, da draußen ein Sturm getobt hatte. So freute ich mich bald auf eine Mittagspause. Weiter oben gab es dann ganz viele Kastanienbäume und es sah super schön aus, wie das Sonnenlicht durch die großen grünen Blätter schimmerte.


Als die Höhe erreicht war, gab es dann eine schöne Mittagspause! Danach ging es auf und ab und gegen 16:00 Uhr war ich dann an meinem Übernachtungsplatz: Gite la Fargassa! Ein wunderschöner Ort! Es leben hier drei niederländische Familien, ich vermute, es ist eine Kommunität. Es gibt viele verschiedene Tiere: Pferde, Hunde, Katzen, Hühner! Dann einen großen Garten mit Gemüseanbau und alles ist sehr gemütlich und entspannt.

La Fargassa:


Heute würde es wieder eine Zeltübernachtung geben und gerade als ich mein Zelt am Aufbauen war, kam Anaïs um die Ecke und baute ihr Zelt auf! Wir hatten zuletzt miteinander am Refuge Carança übernachtet, und jetzt war da wieder ein Fluss und eine kleine Wiese und unsere beiden Zelte! Da mussten wir doch schmunzeln! Wir hatten ein super leckeres Abendessen in La Fargassa und da es sehr kühl in der Nacht war, schlief ich gemeinsam mit Rosa im Zelt, das klappt mittlerweile auch gut!

GR10 – Etappe 38

Tourentelegramm 38. Etappe: Von La Fargassa nach Las Illas, 22,9 km, 6:50 h, 1200m ⬆️⬇️

In aller Kürze

Langer Aufstieg

Erst Kastanien- und Steineichenwald 

Später felsiger mit Farnen und niedrigem Buschwerk

Erster Blick zum Mittelmeer (spanische Seite)

Weg an der spanischen Grenze entlang

Unterwegs mit Anaïs

Abstieg erst felsig, später Schotterpiste und kleine Landstraße 

Gite in Las Illas recht trist

Leckeres Abendessen im Restaurant vor Ort (alt und urig)


GR10 – Etappe 39

Tourentelegramm 39. Etappe: Von Las Illas zum Coll de l‘Ouillat, 25,3 km, 6:20 h, 1000m ⬆️, 650m ⬇️

Ich nenne meine 39. Etappe, meine „Wüstenwanderung“! Und das nicht, weil es besonders heiß war, oder die Strecke besonders anstrengend war, weil anspruchsvoll, sondern es war einfach langweilig und sandig. Es war von Anfang an eine relativ breite Piste und rundherum wirkte alles etwas heruntergekommen und verfallen.

Am Anfang noch der ein oder andere Hund, der uns verfolgte und bellte, ab und zu mal ein Autowrack oder ein verlassener Wohnwagen. Alles wirkte schon sehr einsam und verlassen. So ein bisschen „Ghost City“, dann wurde es etwas idyllischer. Ein schmaler Pfad mit vielen schönen Korkeichen.


Dieser Abschnitt tat so richtig gut, doch dann hörten wir (ich wanderte an diesem Tag wieder mit Anaïs)  lautes Autorauschen und uns wurde klar, wir näherten uns einer Autobahn. Uns wurde beiden bewusst, es folgt nun die Rückkehr in die Zivilisation. Wir wurden darauf vorbereitet, mit diesem Autobahngeräuschen und auch mit der dann folgenden kleinen Stadt, le Perthus, einer Grenzstadt, in der sich Ramschladen an Ramschladen reihte! Und trotzdem, dass es uns doch nicht so gut gefiel, machten wir dort unsere Mittagsrast, um uns so richtig satt zu essen! Wir fanden einen Schnellimbiss und aßen gut und lecker zu Mittag. Danach noch ein Kaffee und dann ging’s zum letzten Anstieg des Tages! Bevor der erfolgte, mussten wir unter der Autobahn durch!


Der Aufstieg wurde vom Weg her dann etwas schöner, aber immer noch dieses Autobahngeräusch im Rücken. Typisch Wüstenwanderung. Rosa machte an diesem Tag tapfer mit. Auch sie zeigte sich wenig begeistert von dem Weg. So nach dem Motto: „Mama, sind wir bald da?“ Aber sonst war sie fit und ich freute mich, dass sie sich, gegenüber vor einer Woche, doch richtig gut erholt hatte. Ich hatte sie ja auch gefüttert wie einen Weltmeister. 

Dann fing es an zu Zirpen, und ich hatte den Eindruck, dieses Geräusch konkurriert mit dem Autobahngeräusch und ich fing an, mich mehr und mehr auf das Zirpen zu konzentrieren und mich daran zu erfreuen.

Der Weg blieb größtenteils eine breite, sandige Piste und Anaïs und ich, wir vertreiben uns die Zeit damit, dass wir uns gegenseitig auf Tiere hinwiesen, die wir entdeckten! Tiere und Insekten: Immer mal wieder ein Schmetterling, dann gab es eine Mischung aus Grashüpfer und Schmetterling in unterschiedlichen Farben, ab und zu eine Libelle, und wir sahen sogar eine Schlange am Wegesrand, die sich aber gleich verzog, als sie uns entdeckte.

Die letzte Stunde ging es dann noch mal ordentlich bergauf und es war heiß wie im Backofen! Aber immer wieder erreichte meine Nase ein wunderbarer Pinienduft und es war schon sehr mediterran. Ein leichter Wind wehte, und man merkte, wir sind so richtig im Süden!

Ach ja, und wir kamen immer wieder an Wassertanks vorbei, die es hier gibt, um bei Feuer schnell eingreifen und löschen zu können:


Vor einigen Wochen hatte es hier wieder einen Waldbrand gegeben, und es gab noch einige Absperrungen, die aber schon zur Seite geschoben waren: Feuer gelöscht! Ich hatte das in den Medien verfolgt!

Im letzten Abschnitt dieser Tagesetappe wurde ich dann noch mal beschenkt mit traumhaften Ausblicken: Die Bergsilhouetten reiten sich aneinander. Es war wie ein wunderschön gemaltes Bild und sogar der Pic du Canigou war zu erkennen, den ich leider nicht hatte besteigen können, da in dieser Zeit die Schlechtwetterfront über die Pyrenäen gerauscht war. 

Es war, als würde ich zurückschauen, auf diese lange Wanderung mit all ihren Höhen und Tiefen! Ein wunderschöner Anblick, und ich genoss ihn in vollen Zügen.

Am Col de l‘Ouillat wurde das Zelt aufgeschlagen und alles für die Nacht vorbereitet. Was für ein herrlicher Tag ging zu Ende, trotz Wüstenwanderung!

GR10 – Etappe 40 „am Ziel“

Tourentelegramm 40. Etappe: Vom Col de l‘Ouillat nach Banyuls-sur-Mer, 24,9 km, 6:50 h, 700m⬆️, 1650m ⬇️

Es war schon ein sehr besonderes Gefühl, als ich mir heute Morgen innerlich sagte: „Auf zur letzten Etappe!“ Der Weg führte in einem stetigen auf und ab, fast durchgängig an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien entlang. Es war oft ein schöner weich zu gehender Wiesenpfad, manchmal noch ein paar Steine dazwischen, aber insgesamt alles schon viel hügeliger und nicht ganz so felsig und bergig. Es war traumhaft schön, immer wieder auf der rechten und linken Seite die spanische beziehungsweise die französische Küste zu sehen und auch die davor liegenden Städte. Das Wetter war etwas wechselhaft. Immer wieder zogen Wolken durch, aber das gab dem Ganzen eine wunderbare Atmosphäre, und es tauchte alles in ein schönes Licht.

Als mit dem „Puig de Sallfort“ die vorerst letzte Anhöhe erreicht war, folgte der etwas rauere Abstieg. Es ist ja oft so, dass ein Berg eine milde und eine raue Seite hat, und wir waren auf der milden Seite aufgestiegen, und der Abstieg erfolgte auf der rauen Seite. So war es recht felsig und steil, mit teilweise großen Tritthöhen, aber auch immer wieder herrlichen Ausblicken.


Noch einmal gab es zwischendurch einen kleinen Anstieg, aber dann ging es stetig Berg ab, und die Küste kann näher und näher. Auf sandigen Faden erreichten wir am späten Nachmittag Banyuls-sur-Mer! Anaïs, Rosa und ich meisterten tapfer die letzten Meter bis zum Mosaik des GR 10 und machten dort unser wohlverdientes Abschluss Foto.

Wir verabredeten uns dann für abends zum Abendessen und hatten noch einen richtig schönen Abend miteinander.

Es war für mich sehr schön die letzten drei Tage gemeinsam mit Anaïs gewandert zu sein, denn sie war mir eine sehr angenehme und liebe Begleitung an meiner Seite. Wir hatten immer wieder gute Gespräche und konnten uns miteinander sehr freuen an der Natur, an den Ausblicken und auch an der Aussicht, bald in Banyuls zu sein.


In mir kamen gemischte Gefühle hoch, im Wissen: Bald kommt der Alltag wieder und eine sehr besondere und wunderbare Zeit geht zu Ende! Denn trotz aller Herausforderungen kann ich wirklich sagen: Die Pyrenäen haben mein Herz erreicht, sie haben mich tief beeindruckt! Die Natur, die Menschen und Tiere, die Kultur! Zeit für ein paar Freudentränen und ein Dankgebet!

Ach ja, das Hotel Casa Dina in Banyuls sollte ich noch erwähnen! Für mich genau der richtige Ort hier! Ich habe mich super wohl gefühlt:

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