Di.. Sep. 22nd, 2026

So ein Sommer ist ja immer viel zu schnell rum und so war ich Anfang September mit Freundin Christa in den Allgäuer Alpen unterwegs, um die letzten Bergtage zu nutzen. ( vorher gab es sogar noch vier Tage „Zugspitzgebiet“ … „Alpenhopping“ sozusagen! 😂). 

Suchbild: Mindelheimer Hütte

Ich hatte die Tour im Rother Wanderführer „ Hüttentrekking in den Bayerischen Alpen“ (Marc Zahel) entdeckt. Bei herrlichem Spätsommerwetter waren wir unterwegs. Am ersten Tag ging es von der Bergstation Söllereck über das Fellhorn zur Fiderepasshütte (2070 m). Schon kurz nach der Söllereckbahn begleitete uns Kuhglockengbimmel und Christa sagte: „Das ist ja jetzt typisch Allgäu“! Es war so ganz anders, als im Zugspitzgebiet, und das Bergpanorama erinnerte an die modellierte Landschaft einer Modelleisenbahn. Traumhaft schön!

Eine besondere Überraschung war es, als ich auf der Hütte eine Freundin traf und wir hatten gemeinen schönen Abend und viel zu erzählen! 

Am zweiten Tag stand der Mindelheimer Klettersteig an. Er führt von der Fiderepasshütte (2070 m) zur Mindelheimer Hütte (2058 m). Es ist ein B/C Klettersteig und wir meisterten ihn mit Bravour und bei bestem Wetter!Wenn es so ganz steil nach oben oder unten geht, dann ist mir schon mal mulmig zu Mute. Mir hilft es dann, mich auf meinen Atem zu konzentrieren. Über das bewusste Atmen werde ich dann ruhiger und  bin ganz bei mir.

Die Tour an Tag Drei war nicht zu lange und nicht so anstrengend und so konnten sich unsere Beine und unser ganzer Körper ein wenig erholen. Highlight des Tages waren Schrofenpass und Mutzentobel, wo es mit Seilversicherungen und Holztreppenstufen am Steilhang auf und ab ging. Übernachtet wurde in der Rappenseehütte (2091 m), der größten Hütte der Ostalpen. Wir übernachteten zu Viert in einem Fünfer Lager … Es folgte eine super ruhige Nacht … wir schliefen tief und fest.

Wie schläft man eigentlich auf so einer Hütte? Manche Hütten haben nur Lager, d.h. Matratzen sind eng aneinandergereiht und die Lager sind dann unterschiedlich groß, bis zu circa 40 Schlafplätzen. In so einem großen Lager kann es dann natürlich ganz schön laut werden, besonders wenn es einige Schnarcher gibt. In vielen Hütten gibt es auch Zweier- und Mehrbettzimmer.

Hüttenruhe ist von 22 bis 6 Uhr und meistens wird es abends erstaunlich schnell leise 😇.

Tag Vier ging dann über den Heilbronner Weg und wir nahmen als Gipfeloptionen noch das Hohe Licht (2651 m) und die Mädelegabel (2644 m) mit. Gerade die Mädelegabel ist kein ganz einfacher Gipfel und im oberen Bereich war ich kletternd unterwegs und musste oft meine Hände zu Hilfe nehmen, um die Felspassagen zu schaffen. Der Heilbronner Weg wurde 1899 eingeweiht und ist der älteste und bekannteste Felsensteig der Nördlichen Kalkalpen.

Bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen waren wir an diesem Tag unterwegs und das Anfang September auf über 2500 m. Das war schon klasse. Es tauchte noch ein kleiner Badesee auf, und wir nahmen ihn gerne als Erfrischung mit: 1-2-3 ausgezogen und rein ins kühle Nass! Schon wieder ein genialer Tag. Müde und glücklich es geschafft zu haben, kamen wir am späten Nachmittag an der Kemptener Hütte (1846 m) an. 

Am nächsten Tag wollten wir gerne den Großen Krottenkopf (2655 m) besteigen, aber wir wussten schon, dass eine Kaltfront anrückte und mit Starkregen zu rechnen war. Als es dann morgens doch noch etwas trockener war, gingen wir wenigstens den Muttlerkopf (2368 m) an und landeten dann prompt im dichten Nebel und stiegen bei Dauerregen ab 🫤. Tropfnass kamen wir wieder an der Hütte an. Aber wenigstens hatten wir uns ein wenig bewegt und der Rest des Tages wurde dann „Ruhetag statt Gipfeltag“. Mir wurde an dieser Stelle bewusst, dass es gerade beim Bergwandern unglaublich wichtig ist, einen Plan B zu haben und nicht alles auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Der Große Krottenkopf wäre einfach viel zu gefährlich gewesen bei Nässe! Auch in der Kemptener Hütte gab es wieder schöne Begegnungen, diesmal mit Sandy und Nika. Wir hatten viel zu lachen!

Am fünften Tag führte uns unsere Wandertour von der Kemptener Hütte zum Prinz Luitpold Haus (1846 m). Es war eine sehr lange Tour, und unsere Ausdauer und Kondition waren gefragt! Der Tag startete im dicken Nebel, der sich zwischendurch lichtete und dann die Bergspitzen zum Vorschein kamen. 

Auf dem Weg zum Raueck begegneten wir vier Steinböcken in nächster Nähe. Wir hatten in den Tagen vorher auch immer mal wieder Steinböcke gesehen, aber nie so nahe. Für mich war es schon ein wenig Respekt einflößend. Auf alle Fälle machte diese Begegnung dem Namen „Steinbocktour“ alle Ehre! 

Am Raueck (2384 m) blies der Wind in starken Böen und wir waren froh an allem, was wir anziehen konnten, samt Handschuhen, Mütze und Regenhose als Kälteschutz. An diesem Tag waren Lena und Jurek mit uns unterwegs und wir wanderten gemeinsam in flottem Tempo und waren dann bereits nach 7 Stunden am Prinz Luitpold Haus. Da gab es dann erst mal einen leckeren Kaiserschmarrn!

Nach einer letzten Hüttennacht hieß es Abschied nehmen von den Allgäuer Alpen. Unseren Plan über den Schrecksee abzusteigen verwarfen wir, als der Morgen uns mit Regen und dichtem Nebel (schon wieder 🫤) begrüßte. So nahmen wir dann doch den direkten Abstieg zum Giebelhaus und fuhren von dort mit Bus und Bahn nach Hause. 

Diese Heimfahrt war dann recht abenteuerlich, denn wegen Viehscheid fuhr der Bus nach Bad Hindelang nicht, dann war in Bad Hindelang die Haltestelle verlegt, in Sonthofen entfielen zwei Züge, die sowieso nur stündlich fahren, und in Ulm gab es ein „Problem mit dem Stellwerk“ ☹️… unsere Ankunftszeit rückte immer weiter nach hinten. Aber nach so vielen ausgefüllten schönen Bergtagen konnte mich das alles nicht wirklich schocken. 

Was macht das Bergwandern für mich eigentlich so besonders? Auch dieses Mal war es wieder so, dass ich den Kopf frei bekam und den Alltag komplett hinter mir ließ. Ich konnte eintauchen in diese wunderbare Bergwelt und war wirklich ganz weit weg. Und ab und zu begleitete mich ein Lied im Ohr. Auf dem Weg zum Hohen Licht war es ein alter Choral von Gerhard Terstegen: „Großer Gott, wir loben dich“.

Kleiner Blumengruß von der Alpe Bärgündle:

Alle Touren demnächst auch auf:

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