Mo.. Aug. 24th, 2026

Gschnitzer Hüttenrunde – Die kleine Schwester des Stubaier Höhenwegs … klein, aber oho!

Mitte August waren mein Mann und ich sieben Tage in den Stubaier Alpen unterwegs, aber nicht auf dem Stubaier Höhenweg, sondern auf der Gschnitzer Rundtour. Das Gschnitztal liegt neben dem Stubaital und auf der Runde überschneidet sich eine Etappe mit dem Stubaier Höhenweg. Mit was für einer Tour haben wir es zu tun? Es ist ein Höhenweg, der alpine Steige mit Gras, Schutt und Schrofen aufweist, oft auch Abschnitte mit Blockfels. Die Anforderungen sind mindestens so hoch wie am Stubaier Höhenweg, vielleicht sogar noch etwas kompakter. Wirklich harmlose, leichte Wegabschnitte gibt es nur selten. Also nichts für Anfängerinnen, sondern für erfahrene Bergsteigerinnen, mit einer soliden Grundkondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. 

Natürlich muss bei so einer Tour auch das Wetter passen und während ganz Deutschland bei großer Hitze schwitzte, freuten wir uns auf stabiles Hochsommerwetter in luftiger Höhe. 

1. Etappe: Von Trins zur Blaserhütte, 5 km, 950 m auf, 2:30 h

Unsere Tour startete in Trins, nicht weit von der Brennerautobahn, etwa 10 km von Steinach am Brenner entfernt. Wir wählten versehentlich den direkten steilen Aufstieg zur Blaserhütte ( Weg 31), einen steilen Wiesenweg, und waren nach ca 2:30 h am Ziel, gut verschitzt und durstig. Der Blaser war nur 15 Minuten weit entfernt und wir bestiegen ihn auf leichtem Wiesenpfad gleich zweimal: Einmal um die Blumenvielfalt zu bestaunen und abends zum Sonnenuntergang. Der Blaser ist als blumenreichster Berg Europas bekannt und die Hauptblütezeit ist im Frühjahr und im Frühsommer. Wir waren also etwas zu spät dran, aber es gab trotzdem noch viele Blüten zu gestaunt, besonders Edelweiß.

Auf der Hütte wurden wir sehr lieb von Barbara versorgt. Es gab ein sehr leckeres Abendessen und nach einer guten Nacht im Lager ein leckeres Frühstück, sogar mit aufgeschnittenem Obst und Rohkost. Das war klasse! Wir waren fünf Übernachtungsgäste, also alles ganz gemütlich!

2. Etappe: Von der Blaserhütte zum Padasterjochhaus, 8,4 km, 950 m auf, 900 m ab, 5:00 h

Der zweite Wandertag hatte es dann schon ganz gut in sich. Über einen Wiesenpfad und später felsig ging es zur Pfeilspitze. Der schmale Steig im Schrofengelände zur Kesselspitze war an einigen Stellen sehr ausgesetzt und wir wählten ein langsames Tempo, um sicher diese Passage zu bewältigen. Beschenkt wurden wir mit herrlichen Panoramen an beiden Gipfeln: Dominant und mächtig zeigte sich die Serles und es eröffnete sich ein Blick nach Innsbruck und auf die Nordseite des Karwendel und im Südosten blickten wir in die Zillertaler Alpen mit dem Olperer als markantestem Blickfang. Als dritten Gipfel wählten wir dann noch den Abstecher zur Wasenwand. Von dort war es dann nicht mehr weit zum Padasterjochhaus, das wunderbar auf einer Hochebene liegt. Und der Weg dorthin war dann auch leicht zu gehen.

3. Etappe: Vom Padasterjochhaus zur Innsbrucker Hütte, 11,5 km, 1470 m auf, 1370 m ab, 7:00 h

Die dritte Etappe vom Padasterjochhaus zur Innsbrucker Hütte war dann die zeitlich Längste und Anstrengendste der gesamten Hüttenrunde: Steil aufsteigend ging es zum Hammerspitzenjoch und weiter zum Silbersattel. Von dort stiegen wir über einen versicherten Steig zur Kirchdachspitze auf. Der dann folgende Abstieg wurde von Marc Zahel im Rother Wanderführer „garstig“ genannt … und das war er auch! Wir mussten zwei Stunden die 1200 hm ins Pinnistal absteigen, in sehr steilem Gelände. Aber, wie habe ich es in meiner Tourenleiterausbildung gelernt? „Wir regeln alles über das Tempo und die Atmung“ … so kamen wir gut unten an. Dann folgte ein Gegenanstieg zum Pinnisjoch. Vorher legten wir jedoch eine wohlverdiente Pause auf der Karalm ein… das tat gut! Kurz nach dem Pinnisjoch kam dann schon die Innsbrucker Hütte! Ziel erreicht! Für diese Tour klopften wir uns mal fleißig auf die Schultern: Well done!

4. Etappe: Von der Innsbrucker Hütte zur Bremer Hütte, 10,9 km, 950 m auf, 920 m ab, 6:30 h

Die vierte Etappe war ähnlich lang und anstrengend wie die am Vortag. Die Bergflanken des mächtigen Habichtmassivs sorgten für ein stetes Auf- und Ab und so manche Blocksteinpassage war dabei und einige seilversicherte Stellen. Wir wählten den Weg über den Lauterersee und im letzten Anstieg zur Bremer Hütte gab es einen kurzen Klettersteig, gut machbar! Die Bremer Hütte mit ihrer idyllischen Lage begeisterte uns und wir hatten einen schönen Abend mit leckerem Essen, bevor wir müde und k.o. in unsere Betten fielen und super gut geschlafen haben!

5. Etappe: Von der Bremer Hütte zur Gschnitzer Tribulaunhütte, 10,2 km, 720 m auf, 1070 m ab, 6:00 h

Am 5. Tag im Übergang zur Gschnitzer Tribulaunhütte spürten wir die Anstrengungen der vergangenen Tage in den Beinen und die Aufstiege wurden etwas zäh! Aber die traumhaft schöne und abwechslungsreiche Landschaft entschädigte für all die Mühen. Besonders schön fanden wir im ersten Drittel der Etappe die Durchquerung eines Feuchtgebiets, immer wieder mit kleinen Seen, in denen sich die Wetterspitze spiegelte und leuchtend grünes Gras. Ein steiler Wegabschnitt mit Felsplatte wurde mit Leiter, Eisentritten und Seilversicherungen entschärft. Später ging es durch Blockgelände und an einem Sattel tat sich ein herrlicher Blick zu den beiden Tribulaunen auf, bevor es durch losen weißen Schotter zur Tribulaunhütte ging. Es gibt ja zwei Tribulaunhütten: Eine auf italienischer Seite und eine auf österreichischer Seite! Um die beiden Hütten zu unterscheiden, gibt es den Zusatz „Gschnitzer Tribulaunhütte“ (A) und „Pferscher Tribulaunhütte“ (IT). Auch auf der Gschnitzer Tribulaunhütte empfing uns eine liebevolle Hüttenwirtsfamilie und es gab super leckeres Essen. Mein Mann war begeistert vom Haflinger-Puch BJ 1960, der vor der Hütte stand und fachsimpelte mit dem Hüttenwirt! Ich nutze die Zeit um eine weitere Übernachtung zu organisieren. Weil das Wetter so super war, wollten wir am Folgetag nicht komplett absteigen, sondern noch einen Zwischenstopp an der Trunahütte einlegen. Und tatsächlich hatte die Trunahütte für uns noch zwei Betten frei! Dank an Michael von der Trunahütte!

Haflinger-Puch BJ 1960

6.(+7.)Etappe: Von der Gschnitzer Tribulaunhütte nach Trins (mit Zwischenstopp Trunahütte), 16,3 km, 750 m auf, 1600 m ab, 6:30 h

So folgte am 6. Tag erst der steile Aufstieg zum Gstreinjöchl, dann ein blockiger Durchstieg und später „zahmeres“ Gelände mit viel Almenlandschaft bis zum Trunajoch. Von dort ein Abstecher zum Lichtsee für unsere Mittagspause und dann war die Trunahütte nicht mehr weit! Michael war ein super Gastgeber und abends gab es Rouladen, Kartoffelpüree und Rotkraut… suuuuper lecker. Besonders gefielen uns auf der Trunahütte die vielen Tiere: Hahn und Hennen, Gänse und Laufenten, 5 Australien Shepherds! Wir waren dankbar und froh, diese Verlängerung spontan eingeplant zu haben. Es war ein richtig schönes „slow down“!

Der Abstieg nach Trins ging dann am nächsten Morgen ganz locker! 

Wie auch schon bei anderen Touren spielten für uns „Begegnungen“ eine wichtige Rolle. Bereits am ersten Tag lernten wir Nicole kennen, die bis zur Tribunlaunhütte auf gleicher Route unterwegs war und es war immer wieder schön miteinander am Tisch zu sitzen und sich zu unterhalten. So gab es auch ein nettes Kennenlernen mit Philipp, Uli und Gudrun.

Ich war auch begeistert von der Kraft und Energie, die man während einer Tour entwickelt und auch wenn man zwischendurch mal müde Phasen hat, irgendwie schafft man es dann doch und erholt sich auch wieder schnell!

So, jetzt habe ich aber echt genug erzählt! Vielleicht konntet ihr ja ein wenig gedanklich mitwandern und hattet Freude an diesem Beitrag! Ich freue mich über Kommentare! 

Die gesamte Tour ist auch auf Alpenvereinaktiv zu finden:

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