
Unterwegs im Lechquellengebirge

Das Lechquellengebirge mit dem Rätikon im Westen und den Lechtaler Alpen im Osten hatte lange keinen eigenen historisch gewachsenen Namen, bis 1971 Walter Flaig die Bezeichnung „Lechquellengebirge“ eingeführt hat: „Ein Gebirge, das die Lechquellen in Hufeisenform umfasst“ (W. Flaig). Die Hüttentour „Lechquellenrunde“ folgt allerdings nicht vollständig den von Flaig gezogenen Grenzen, sondern startet im Bregenzer Wald und streift schließlich noch die Lechtaler Alpen.
Das Lechquellengebirge ist ein ideales Gebiet zum Bergwandern, da man tagelang wie auf einem gewaltigen Dach unterwegs ist, ohne zu weit absteigen zu müssen. Und die ein oder andere alpine Herausforderung ist auch dabei, wenn steile Ab- und Aufstiege die volle Konzentration und Bergerfahrung fordern. Und all Gusto gibt es noch viele Gipfeloptionen, die die „Bergwanderherzen“ höher schlagen lassen.
Zudem findet man im Lechquellengebirge einen floristischen Reichtum, der seinesgleichen sucht: Fast alle Pflanzen der nördlichen Kalkalpen, aber auch eine ganze Reihe von Arten aus den Zentralalpen sind hier zu finden.


Mit der Bezirksgruppe Remstal unterwegs
Mitte Juli starteten wir zu Neunt in Schröcken, um in fünf Tagen die Lechquellenrunde bis Zürs zu erwandern. Die 1. Etappe führte erst auf einem Almweg, später auf einem schmalen Steig übers Fürggele (2145m) und bot von dort aus einen herrlichen Blick in die Allgäuer Alpen und ins Kleine Walsertal. Und die Braunarlspitze und die Mohnenfluh standen uns immer wieder vor Augen. Die knapp 1000 Höhenmeter brachten uns gut ins Schwitzen und nach circa 4 Gehstunden war mit der Biberacher Hütte die erste Unterkunft erreicht.

Die 2. Etappe startete bei Sonnenschein und und erst mal hieß es 500 m absteigen, bis dann ein lang gezogener fast 1000 Höhenmeter langer Aufstieg folgte, der durch eine kurze Einkehr an der Oberen Alpschellaalpe eine wohltuende Pause fand: Im Brunnen der Alpe fanden sich kalte Getränke, die eine herrliche Erfrischung boten. Eine sehr hübsche, schwarze Rinderart direkt an der Hütte und Hochlandrinder in der Ferne umgaben uns mit stimmungsvollem Kuhglockengeläut. So lag es nahe, dass auch wir ein Lied anstimmten und es hieß: „Froh zu sein, bedarf es wenig, denn wer froh ist, ist ein König.“ Wir verließen bald die Almwiesen und stiegen ein in das Karstgebiet der Gamsbodenwanne. Die letzten Höhenmeter zogen sich dann ganz schön in die Länge, und wir waren froh, als die Göppinger Hütte auftauchte und dann auch bald erreicht war. Wer wollte, konnte dann noch die Hochlichtspitze erklimmen, während die anderen die Liegestühle auf der Hüttenterrasse vorzogen.

Herrliches Morgenrot versprach einen schönen Sommertag und so starteten wir die 3. Etappe im Sonnenschein und mit einem Lied auf den Lippen. Die Etappe sollte etwas anspruchsvoller werden als die Vorangegangenen. Von der Göppinger Hütte startete der Weg Richtung Süden über Geröll, später über feste glatte Felsabschnitte bis zum Ausläufer des östlichen Johanneskopfes (2400 m). Der Weg führte dann auf die Rückseite des Grats und steil hinunter in die Mulde (Johanneswanne). Es ging über ein Hochplateau unterhalb der schwarzen Wand und ein kleiner Badesee ludt zum Baden ein! Anschließend ging es erfrischt südwärts zum Oberen Johannesjoch und durch die weite Mulde des Klesenzajochs, steil abfallend über gesicherte Felsabsätze. Die Schlüsselstellen wurden von allen mit Bravour gemeistert! Neben den herausfordernden Wegabschnitten, gab es immer wieder traumhaft schöne Panoramen, unter anderem auf die Rote Wand! In der Mittagshitze kamen erste Kaffee- und Kuchenfantasien auf, denn die Formarinalpe rückte immer näher. Aber: Pech gehabt! Die Tür war zu! Wie gut, dass im Brunnen einige Kästen mit kalten Getränken standen und wir uns bedienen konnten. So eine Limo ist ja auch erfrischend! Den letzten Wegabschnitt zur Freiburger Hütte wählten wir über den Formarinsee, um auch dort noch mal ein kühles Bad zu nehmen! Wie herrlich! Uns war bewusst, dass das gar nicht so oft vorkommt, dass man in den Bergen baden kann, ohne zu frieren! In der Freiburger Hütte hatten wir ein besonders schönes Lager mit einzelnen Schlafnischen, da war guter Schlaf garantiert! Wir waren ja auch wirklich müde und geschafft von so viel Berg- und Badevergnügen.

Wie an jedem Morgen durfte auch am vierten Tag eine Yogaeinheit vor dem Frühstück nicht fehlen! So ging es unseren Muskeln und Gelenken wirklich gut! Die 4. Etappe startete sehr angenehm leicht ansteigend über Weideflächen bis hin zum Steinernen Meer. Wir ließen uns Zeit, die herrlichen Felsformationen zu bestaunen und auch die Versteinerungen. Anschließend folgte ein steilerer Aufstieg über einen blumenreichen Wiesenhang zum Gehrengrat. Wir wurden beschenkt mit einer gigantischen Aussicht ins Rätikon und ins Lechquellengebirge. Äußerste Vorsicht war beim dann folgenden steilen Abstieg über Geröll geboten! Die Plattnitzer Jochspitze erklommen wir auf unmarkiertem Steig im Aufstieg. Der Abstieg erfolgte über einen ausgesetzten Gratweg! Im weiteren Verlauf ging es über Almwiesen zum Spullersee und weiter zur Ravensburger Hütte. Leckeres Essen, ein freundliches Team, gute Gespräche am Tisch, so neigte sich der vierte Tag dem Ende zu.

Etwas Wehmut stellte sich am fünften Wandertag ein. Kann es sein, dass tatsächlich schon der letzte Tag anbricht? Dass so schnell fünf Tage rum gehen? Noch einmal Yoga, einmal Frühstück, los ging die 5. Etappe von der Ravensburger Hütte zum Madlochjoch! Von dort noch mal ein herrlicher Blick ins Lechquellengebirge und in die Lechtaler Alpen. Dann ging’s bergab Richtung Zürs. Das Bergrestaurant Seekopf bot sich für eine Schlusseinkehr an und ermöglichte so ein wohltuendes „Cool Down“, bevor in Zürs die Tour zu Ende ging.

Afrikanische Weisheit
„Wenn Du schnell gehen willst, dann gehe alleine. Wenn Du weit gehen willst, dann musst Du mit anderen zusammen gehen.“ (Afrikanische Weisheit)
Mit diesem Zitat startete die Tour und wir konnten wirklich erleben, was er bedeutet als Gruppe unterwegs zu sein, wie man sich gegenseitig stärkt und stützt und gemeinsam weit kommt – vielleicht nicht schnell, aber gleichmäßig und stetig – und alle kommen ans Ziel und alle sind glücklich ( besonders die Tourenleiterin :))!

Die Einzeletappen:
1.Etappe: Von Schröcken über Fürggele zur Biberacher Hütte, 9,7 km, 950 m ⬆️, 400 m ⬇️, 4:30 h
2.Etappe: Von der Biberacher Hütte über Gamsboden zur Göppinger Hütte, 10,1 km, 950 m ⬆️, 600 m ⬇️, 5 h (+ Hochlichtspitze optional + 1:30 h)
3.Etappe: Von der Göppinger Hütte über Oberes Johannesjoch zur Freiburger Hütte, 11,4 km, 510 m ⬆️, 900 m ⬇️, 5 h
4.Etappe: Von der Freiburger Hütte über Gehrengrat und Plattnitzer Jochspitze zur Ravensburger Hütte, 13,7 km, 1000 m ⬆️, 970 m ⬇️, 6 h
5.Etappe: Von der Ravensburger Hütte über Madlochjoch nach Zürs, 8,8 km, 590 m ⬆️, 800 m ⬇️, 3:30 h
Die Gesamttour und die Einzeletappen sind auf Alpenvereinaktiv zu finden:
Viele Freude mit diesem Beitrag wünscht Bianca Maria






